Dort wo die Anden anfangen sich in die Höhe türmen, in dem 2761 m hoch gelegenen Dorf Sivia in der Kooperative Quinacho werden die Kakaobohnen für die 75% ige Naturata Edelbitter Schokolade angebaut. Wer sind die Menschen in diesem Projekt, mit welchen Gegebenheiten müssen sie umgehen und ist alles so fair, wie man das als Europäer erwartet? Das wollten Liane Maxion und Karin Endres von Naturata wissen. Auf der BioFach trafen die beiden u.a. Senor Bellido aus Peru und Herrn Bloch der das Projekt betreut.

Senor Bellido wie lange hat ihre Reise von Sivia nach Nürnberg zur BioFach gedauert?
Wir waren insgesamt 3 Tage unterwegs. Von unserem Ort in die Hauptstadt Lima benötigen wir alleine 24 Stunden. Wir haben auf der Fahrt einen 4750 m hohen Pass zu überwinden.
Sie nennen Ihre Kooperative Quinacho. Welche Bedeutung hat der Name?
Quinacho ist bei uns in der Region ein Baum. Das Holz wird u.a. als Gerüst für Häuser genutzt. Der Baum steht als Symbol für Stärke! So wollen wir auch unsere Kooperative sehen – stark.
Seit wann gibt es die Kooperative Quinacho?
Seit 40 Jahren. Zunächst haben wir vor allem Kaffee angebaut, Kakao spielte eher eine Nebenrolle. Heute ist die Kakaonachfrage viel höher und deshalb hat sich das Verhältnis Kakao- Kaffeeanbau umgedreht.
Bauen Sie schon immer nach biologischen Richtlinien an?
Wir haben uns 1997 zertifizieren lassen. Jedoch gab es auch vorher bei uns oben in den Bergen keinen Einsatz von Pestiziden. Das konnten wir uns finanziell nicht leisten. Schon damals setzten wir auf eine sorgfältige Pflege der Pflanzen. Das bedeutet auch, dass man genau wissen muss wie die Kakaobäume beschnitten werden.
Ab wann ist so ein Kakaobaum ertragsreich?
Nach etwa fünf Jahren kann von der ersten guten Ernte gesprochen werden. Ein gut gepflegter Baum kann bis 40 Jahre ertragsreich sein.
Was passiert, nachdem die Kakaoschoten ausgereift sind?
Die Kakaofrüchte werden von Hand mit der Machete geerntet, im Anschluss geöffnet und zwischen Bananenblättern fermentiert. Während des Prozesses fließt das Fruchtfleisch von den Kakaobohnen ab. Es entwickelt sich ein erster Geschmack. Die Bohnen werden in großen „Wannen“ in der Sonne getrocknet. Wir befinden uns ja in den Tropen. Wenn es regnet, werden die auf Rädern gelagerten Wannen, schnell in Lagerhallen gefahren und wenn die Sonne wieder scheint wieder ins Freie transportiert. Die ausgetrockneten Kakaobohnen werden in Säcke gefüllt und nach Lima gefahren von dort kommen sie per Schiff nach Europa.
Was sind Ihre größten Probleme?
Bis vor einigen Jahren der Koka-Anbau. Besonders während der Diktatur, als das Militär das Land besetzte, wurde im großen Stil Koka angebaut. Aus der Tradition wird Koka von den Einheimischen gekaut. Aber dem Militär ging es um den Verkauf der Koka-Pflanze. Heute sind wir froh, dass wir relativ gute Preise für unsere Kakaobohnen erhalten und somit viele den Kakaoanbau bevorzugen.
Ihre Kooperative gehört zu den Fairtrade-Projekten. Wo sehen Sie die Unterschiede zum herkömmlichen, konventionellen Kakaoanbau?
Unsere gesamte Produktion wird zu einem garantiert fairen Preis abgenommen. Darüber hinaus erhalten wir Erntevorschüsse und eine Bio-Prämie von 10-25%. Frauen und Männer erhalten den gleichen Lohn und haben einen Anspruch auf Krankenversicherung.
Senor Bellido häufig fragen uns Kunden in Deutschland, ob in den Kakaoprojekten wirklich keine Kinderarbeit stattfindet. Was können Sie dazu sagen?
Bei uns haben alle Kinder einen freien Zugang zu den Schulen. Wir werden unterstützt mit Schulmaterialien aus dem Fair Trade Projekt. So gehen viele unserer Kinder später in die Stadt um zu studieren, so dass wir eher Nachwuchsprobleme haben. Besonders die Mädchen sind bei uns besonders ehrgeizig und studieren häufiger als die Jungen. Manche Kinder helfen nach der Schule und Schularbeit ganz gerne mit, aber ohne Zwang und nicht statt der Schule.
Im Wettbewerb „Cacoa of Excellence“, der im Rahmen des diesjährigen Salon da Chocolat in Paris präsentiert wurde, kamen Ihre Edelkakaobohnen von 152 analysierten Mustern unter die ersten zehn. Sind Sie stolz auf diesen Erfolg?
Es bestätigt uns in unserer Arbeit und gibt uns die Kraft weiter zu machen.
Herr Bloch, Sie sind bei Pronatec u.a. für die Qualität der Kakaobohnen aus all Ihren südamerikanischen Kakaoprojekten verantwortlich. Manche Kunden machen sich Sorgen um einen hohen Cadmiumgehalt in den Kakaobohnen. Was können Sie dazu sagen?
Der Gehalt an Cadmium in südamerikanischen Böden ist höher als z.B. in Afrika, da die Bäume auf vulkanischen Böden wachsen. Doch wir bevorzugen die Edelkakaosorten aus Südamerika, sie schmecken einfach besser. Da wir das Problem mit dem Cadmium kennen, testen wir nicht nur stichprobenartig, sondern jede Lots (Charge) auf Cadmium. Die Werte liegen sehr weit unter den empfohlenen Grenzwerten der WHO (World Health Organisation). Man müsste dann schon sehr viele Tafeln essen, um überhaupt an den Grenzwert heranzukommen.